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Unverpackt

Die momentan produzierte Masse an Plastikmüll ist die Ursache einer verschmutzten Erde. Besonders die Weltmeere leiden unter dem verantwortungslosen Umgang des Menschen mit dem Plastik. Tiere sterben durch den Verzehr von Plastik. Auch Menschen leiden, denn über den Nahrungskreislauf landet das Plastik schließlich auch in unserem Körper. Plastik verschwindet nicht. Es lässt sich erst nach Jahren abbauen. Kunststoff wirkt für uns Menschen gefahrlos und sauber denn er wird in unserem Alltag vielfältig und selbstverständlich genutzt. Besonders beim Einkaufen scheint Plastik als Verpackung von Lebensmitteln und Produkten unverzichtbar. Dass ein müllfreies Leben umsetzbar und auch zukunftsfähig ist, zeigen die Läden mit dem Namen „Unverpackt“. Die Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit und befüllen diese im Laden mit den Produkten des Alltags. Durch das Vermeiden von Einwegverpackungen wird der anfallende Müll auf ein Minimum reduziert. Die bereits 40 Läden in Deutschland motivieren die Menschen rücksichtsvoller zu Leben und die Umwelt zu schützen.


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Interview

Wir haben mit Marie Delaperrière, der Inhaberin des „Unverpackt“-Ladens in Kiel, gesprochen:

Levke: „Wie sind Sie auf das Konzept gekommen und was war die Motivation dafür?“

Marie Delaperrière: „Die Motivation ist, wenn man für eine fünfköpfige Familie einkaufen geht und Berge von Verpackungsmüll hat. Das hat mich immer wieder gestört. Nachdem ich meinen Job aufgegeben habe, habe ich überlegt, was ich sinnvolles machen kann. In einer Zeitschrift habe ich dann gelesen, dass eine Frau mit ihrer vierköpfigen Familie müllfrei lebt und ich dachte „WOW! Das möchte ich auch so machen!“ Ich habe gesehen, wie Sie das gemacht hat, indem sie nur lose Sachen gekauft hat. Das fand ich so toll, dass ich in Deutschland geschaut habe, ob es so etwas gibt. Aber es gab keine „Unverpackt“- Läden und ich dachte es wäre verboten. Ich hatte es aber in anderen Ländern gesehen. Dann bin ich zu Ämtern gegangen und habe gefragt, was sie davon halten. Am Anfang waren alle sehr fraglich, weil sie es nicht kannten. Sie haben kein „No-Go“ gesehen und dann habe ich mich auf den Weg gemacht und das Projekt gestartet.“

L.: „Und wie kommt das so an?“

M.: „Jetzt ist „Unverpackt“, wirklich ein Begriff, aber es hat schon gedauert. Erst waren die Leute zurückhaltend und haben geschaut was es wird und wie das Konzept ist. Inzwischen sind vier Jahre vergangen, seit ich den Laden eröffnet habe und jetzt ist es angekommen und wird angenommen und ist präsent.“

L.: „Welche Zielgruppen kaufen bei Ihnen ein?“

M.: „Es gibt keine Zielgruppe, wenn dann alle. Es ist eine bunt gemischtes Klientel: Kinder, Senioren und junge Familien. Es ist wirklich sehr bunt gemischt und so war es auch von Anfang an gedacht. Die Müllproblematik geht alle etwas an.“

L.: „Und wie präsentieren Sie sich?“

M.: „Da ich aus einer andern Branche komme und jetzt im Lebensmittelbereich tätig bin und noch dazu aus einem andern Land komme. Da ich ursprünglich aus Frankreich stamme, wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Ich präsentiere den Laden, indem der Name „Unverpackt“ schon sagt, dass es hier keine Einwegverpackungen gibt. Bei mir gibt es lose Ware, die für Nachhaltigkeit steht. Außerdem schauen wir bei der Auswahl unserer Produkte, dass die Lieferanten kurze Wege haben. Ein gutes Gewissen fördert das Bewusstsein und schont das Portemonnaie. Wenn man gezielt einkauft und etwas aufpasst, hat es eine gute Wirkung.“

L.: „Sehen Sie die Chance, dass „Unverpackt“ irgendwann auf kleinen Dörfern zu finden ist?“

M.: „Vielleicht nicht in Form eines Ladens, sondern ein mobiles „Unverpackt“. Zum Beispiel ein Wagen der wöchentlich an den Dorfplatz kommt und so die Waren verkauft. Nicht stationär, in jedes Dorf je nachdem wie viele Einwohner das Dorf hat. Und wenn Einkaufspotenzial da ist, könnte die mobile Form, um viele zu erreichen, eine gute Lösung sein.

L.: „Welche Lieferanten haben Sie? Woher kommen diese? Werden die Produkte Ihnen auch unverpackt geliefert?“

M.: „Die Produkte kommen verpackt. Sie kommen allerdings in sogenannten Großgebinden. Für Reis beispielsweise sind es 25 Kilogramm, für Nudeln 10 Kilogramm und Müsli 20 bis 25 Kilogramm Säcke. Die Ware kommt im Karton oder Pappsäcke, diese umhüllen die Säcke. Manchmal gibt es auch ein Innenleben aus Plastik, was dann gut ist, denn es ist abbaubar und es ist immerhin viel weniger Plastik als in den normalen Supermärkten.

L.: „Und wo kommt die Ware her?“

M.: „Das ist unterschiedlich, je nach Saison gibt es viele kleine Erzeuger, die uns aus der Region beliefern. Wir haben einen regionalen Lieferanten für das ganze Getreide, sonst kommen die Lieferanten aus Hamburg und Norddeutschland, Deutschland und Europa. Manche Produkte kommen auch von Übersee.“

L.: „Sind die Produkte teurer als im normalen Discounter?“

M.: „Ne! Also im Discounter ja, aber da vergleiche ich eigentlich gar nicht. Ich finde die Preise im Discounter eine Unverschämtheit, gerade heute habe ich gesehen, dass ein Kilo Bananen 0,89€ kostet. Ich möchte nicht wissen, wie derjenige bezahlt wird, der sie gepflückt hat. Wir haben hier im Laden zu 90% Bio-Sortiment. Es ist zwar kein reiner Bioladen, aber die Bioware ist von den Preisen her vergleichbar mit der Bioware aus einem Supermarkt. Es ist nicht das Vorurteil „kleiner Laden, teurer Laden“, ganz und gar nicht. Es sind normale Einkaufspreise.“

L.: „Geben Sie alle Inhaltsstoffe an? Und kennen Sie die alle selber?“

M.: „Alle kenne ich nicht, aber ansonsten stehen überall auf den Etiketten die Inhaltsstoffe, aber wenn das auch nicht der Fall ist, haben wir eine Art Ordner wo auf mehreren Seiten die Inhaltsstoffe aufgelistet sind.“

L.: „Wie lange sind Ihre Produkte haltbar?“

M.: „Von vier bis fünf Tagen für Milch bis zu eineinhalb Jahre für manche Getreidearten oder Nüsse. Das hängt auch davon ab, ob wir Produkte aus frischer Ernte bekommen haben. Es ist sehr unterschiedlich.“

L.: „Ist es, Ihrer Meinung nach, das Konzept der Zukunft?“

M.: „Ob dieses Konzept, das Konzept der Zukunft ist, weiß ich nicht. Man muss nur weiter dafür werben.“

L.: „Könnte man sich von Ihren Produkten komplett eindecken?“

M.: „Ja, das Sortiment deckt den Alltagsbedarf ab. Wenn man jeden Tag ein Fleischesser ist wird es etwas mager. Von den Grundnahrungsmitteln könnte man sich bei mir eindecken.“

L.: „Wie denken sie über das Produkt „Plastik“ allgemein?“

M.: „Eine schöne Erfindung, aber in zu vielen Bereichen wo es einfacher ersetzt werden kann. Mein Kampf ist kein Kampf gegen den Plastik sondern gegen die Benutzung. Das ist für mich das schlimmste. Zum Beispiel in der Medizin gibt es viele Produkte aus Kunststoff, zum Beispiel eine Beinprothese. Aus Holz habe ich noch nie eine gesehen. Es muss immer relativisiert sein. Wenn Plastik als Einweg produziert wird finde ich das doof. Sobald ein Ersatzprodukt für Plastik da ist, würde ich es sofort befürworten.“

L.: „Warum vermeiden Sie Plastik?“

M.: „Weil ich eigentlich kein Plastik mehr in meiner Umgebung haben möchte. Wenn ich eine Glühbirne kaufe habe ich eine Blitzverpackung, weil ich dann immer schaue, wo ich es vermeiden kann oder eine Alternative finde.“

L.: „Haben Sie nur einen Laden oder möchten Sie noch weitere eröffnen?“

M.: „Ich möchte keinen weiteren aufmachen. Ich habe einen Laden und viel um mich herum, außerdem viele Projekte am laufen. Ich bleibe bei einem Landen aber berate andere, die so ein Projekt umsetzen wollen.“

L.: „Gehen Sie auch in andern Läden einkaufen?“

M.: „Ich habe dazu nicht viel Zeit, ich bin ja immer in meinem eigenen Laden. Aber doch gehe ich zum Metzger und zum Fischer, manchmal auch auf dem Markt, wenn ich das schaffe. Ich gehe schon woanders hin, auch weil man manchmal Dinge braucht wie Glühbirnen.“

L.: „Ein bisschen mit Plastik leben Sie schon noch?“

M.: „Ja, weil Glühbirnen gibt es heute ja auch ohne Verpackung und gebraucht nützt ja nichts.“

L.: „Haben Sie Tipps für Menschen, die beginnen möchten Plastikfrei zu leben.“

M.: „ Als ersten und ganz einfachen Reflex würde ich sagen immer einen Stoffbeutel in der Tasche zu haben und nicht im Supermarkt nach der Plastiktüte zu greifen. Auch in der Gemüseabteilung sollte man das Gemüse kaufen, das nicht verpackt ist. Das beste Beispiel ist in der Küche. Man kann anstatt geriebenen Käses aus der Tüte, an der Käsetheke ein Stück Käse kaufen. Ich habe eine Reibe, der ist immer frisch und er schmeckt viel besser. Guckt um euch herum und am besten in der Küche, dort sieht man am besten die Ergebnisse und so könnte man anfangen.“

L.: „Vielen Dank.“


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