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Plastik - Fluch oder Segen?

Plastik ist der umgangssprachliche Ausdruck für Kunststoffe aller Art. Das Wort „Plastik“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich die geformte/formende Kunst.

Von den Kunststoffproduzenten wird Kunststoff gerne als Werkstoff der Zukunft angepriesen. Kunststoff besitzt eine Vielzahl an positiven Eigenschaften, ist schnell, sowie günstig herzustellen und lässt sich immer wieder neu modifizieren. Zu seinen positiven Eigenschaften zählt seine extreme Formbarkeit, seine Beständigkeit, sowie seine geringe Dichte. Kunststoff kann vielseitig eingesetzt werden, besonders da, wo andere Materialien aufgrund ihres Gewichts nicht eingesetzt werden können. Es gibt eine Vielzahl an Einsatzbereichen, wo Kunststoffkomponenten nicht mehr wegzudenken sind. So können moderne Kunststoffe einen hohen Beitrag zur Energie- und Ressourceneffizienz leisten. Durch den Einsatz von Kunststoffen im Automobil- und Flugzeugbau kann eine Gewichtsreduzierung und damit auch ein geringerer Kraftstoffverbrauch erzielt werden. Auch die Erzeugung von erneuerbarer Energie durch Windkrafträder, sowie Solarenergie, wäre ohne Kunststoff nicht möglich. Die Windenergie-Rotoren und auch die polymeren Solarzellen bestehen aus speziellen Kunststoffen. Es ist also nur durch den Einsatz von bestimmten Kunststoffen möglich, die kostenlosen Energiequellen, wie z.B. die Sonne oder den Wind, für uns zu nutzen. Auch zur Steigerung der Energieeffizienz beim Hausbau wird immer mehr auf Kunststoffprodukte zurückgegriffen. Sei es bei modernen Kunststofffenstern, Kunststofftüren oder durch effizientere Dämmstoffe. Zeitgleich wächst auch der Bedarf an Kunststoffen in der Zahnmedizin stetig.

Der immer größer werdende Bedarf an Kunststoff birgt auch Gefahren. So schädigen Herstellung und Entsorgung massiv die Umwelt. Der Ausgangsstoff für die meisten Kunststoffe ist Rohbenzin, welches aus Erdöl gewonnen wird. Bei der Förderung von Erdöl kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, und somit zu schwerwiegenden Schäden an unserer Umwelt. Durch die immer geringer werdenden Erdölressourcen werden bei der Förderung immer größere Gefahren in Kauf genommen. Werden Kunststoffprodukte nicht sachgemäß entsorgt, wird der Vorteil seiner langen Haltbarkeit zum ernsthaften Problem. Kunststoff verweilt mehrere Jahrhunderte in unserem Ökosystem und zerfällt in immer kleinere Teile, die dann von anderen Lebewesen aufgenommen werden und somit in die Nahrungskette des Menschen gelangen.

Es ist also wichtig, dass sich jeder Mensch mit der Problematik von Plastik und den ökologischen Folgen auseinandersetzt. Jeder sollte sich hinterfragen, ob er selbst durch sein Verhalten, bzw. seinem naiven Umgang mit Kunststoffprodukten oder aber auch durch einer zu geringen Wertschätzung der Natur, maßgeblich in der Vergangenheit dazu beigetragen hat, dass unser Erde so zugemüllt ist. Die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen muss gestoppt werden. Es reicht nicht nur den Müll zu trennen und in die Tonnen zu werfen. Wir leben leider immer noch in einer allgemeinen Wegwerfgesellschaft und genau dies muss sich dringend ändern.

 

Plastikproduktion und Verbrauchszahlen

Plastik wurde in den frühen Fünfzigerjahren entwickelt. Bis heute hat die Menschheit ungefähr 8,3 Milliarden Tonnen weltweit hergestellt. Vieles davon liegt als Müll in unserer Umwelt oder in Deponien. 2010 wurde errechnet, dass 4,8-12,7 Tonnen Plastik im Meer gelandet sind. Forscher vermuten, dass im Jahre 2050 mehr Plastik im Meer schwimmt als Fische, wenn Menschheit jetzt nicht umdenkt.

Man geht davon aus, dass die Produktion bis zum Jahr 2050 auf ca. 12 Milliarden Tonnen ansteigt und dass bei der Herstellung rund 8% der weltweiten Ölproduktion benötigt werden. Es wird vermutet, dass sich diese Zahl bis 2050 auf 20% vergrößern kann.


Plastik 1
Plastik 3
Plastik 2

 

8,3 Milliarden Tonnen können sich die Wenigsten bildlich vorstellen.

Forscher haben dies in vorstellbare Größen ungerechnet. In der Tabelle sind einige Beispiele aufgeführt:

  • 1 Elefant wiegt ca. 7,5 Tonnen: Man bräuchte 1 Milliarde Elefanten, um die Menge Plastik darzustellen.

  • Der Eifelturm wiegt 10.100 Tonnen: Hier bräuchte man 822.000 Eifeltürme, um die Menge Plastik darzustellen.

 

Zahlen und Fakten aus Deutschland und Europa

  • Deutschland verbraucht 11,7 Tonnen Plastik, damit sind wir Spitzenreiter in Europa.

  • Es werden bei uns 6 Milliarden Plastik-Tüten jährlich verbraucht. Die Verbrauchsdauer dieser Tüte liegt bei ca. 25 Minuten.

  • Es ist leider so, dass nur 42% des Plastik-Mülls bei uns recycelt werden.

  • In Dänemark liegt die Recyclingrate bei etwa 90%.

  • Wir Europäer belegen ein Viertel des weltweiten Plastik-Verbrauchs.

  • In Europa werden nur ca. 7 von 100 Plastiktüten recycelt.



Es ist an der Zeit, etwas zu verändern!

 

 

Plastik und unsere Gesundheit

Wir haben jeden Tag mit Plastik zu tun, obwohl es genügend Studien gibt, warum man seinen Plastikkonsum einschränken sollte. Weltweit gibt es über 800 Studien, die sich mit den schädlichen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt befassen und sich in einem Punkt einig sind: Es gibt kein schadstofffreies Plastik.Es betrifft nicht nur die Tiere, sondern landet irgendwann auf unserem Tisch. Plastik baut sich nur langsam ab und verbleibt über Jahrhunderte in der Atmosphäre. Plastik verschwindet nicht, es baut sich auch nicht ab, sondern es zerfällt in kleine Teile, in Mikroplastik. Es dauert bis zu 500 Jahren bis das Material verrottet ist. Das Plastik wird in Laufe der Zeit zu kleinsten Partikeln zerrieben, die im Wasser und auf dem Meeresgrund zu finden sind. Das Schlimme daran ist, dass die Kleinstpartikel sich mit giftigen und krebserregenden Stoffen verbinden. Meeresbewohner verwechseln Plastik mit Nahrung und sterben qualvoll daran, Über diese Nahrungskette gelangt das giftige Plastik in den menschlichen Körper. Mikroplastik ist aber nicht nur in Fischen, sondern auch bereits im Wasser oder in Lebensmitteln, wie Honig und Milch zu finden.Die für Lebensmittelbranche zugelassenen Plastiksorten PE, PP und PET beinhalten schädliche Stoffe und geben sie an die Umgebung ab.Bei Tests von Mineralwasser aus Plastikflaschen, wurden in fast jeder fünften Flasche insgesamt 85 Stoffe entdeckt, die nichts im Wasser zu suchen haben. Die Untersuchungen des Instituts für Ökologie, Evolution und Diversität der Frankfurter Universität haben chemische Weichmacher / Phthalate und Bisphenol A wiederholt bei mehr als der Hälfte der getesteten Produkte in Mineralwasser aus Plastikflaschen nachgewiesen.
 
Was sind Phthalate / Weichmacher und Bisphenol A und welche Auswirkungen haben sie?

BPA ist eine Chemikalie und wird von der Industrie dem Plastik hinzugefügt, um es formstabil und besonders hart zu machen. Ohne BPA wäre Hartplastik also nicht denkbar. Zusätzlich wird BPA in Beschichtungen für Lebensmittel- und Getränkedosen aus Metall, sowie in Konservierungsmitteln verwendet.Über die Nahrung gelangt es vom Mund direkt in unserem Körper. Wir nehmen es auch über die Haut in unseren Körper auf.Bei rund 90 Prozent der Menschen, die in Industrie Staaten kann BPA im Urin und im Blut nachgewiesen werden.

 

Bisphenol A gilt als besonders gesundheitsschädlich

Die Industrie behauptet, dass die Dosis in den Produkten zu gering ist, um Schäden bei uns zu verursachen. Jedoch haben Studien dies in den 90er Jahren wiederlegt. Es kann schon in kleinen Mengen gesundheitsschädlich sein. Aufgrund seiner Fettlöslichkeit, besteht die Gefahr bei Bisphenol A darin, dass es sich in unterschiedlichem Körpergewebe einlagert.



Es gibt viele Studien die den Verdacht unterstützen. Und deuten darauf, dass das BPA:

  • Zur Unfruchtbarkeit führen kann

  • Die Spermienproduktion verschlechtert

  • Nervenschädigend ist und die Entwicklung des Gehirn beeinflusst

  • Krebserkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit, Herzkreislauferkrankungen zur Folge hat.

  • Veränderung und Störungen des Erbguts bewirkt

  • die Reifung des Gehirns von Ungeborenen und Kleinkindern irreversibel schädigen kann.

Auch Phthalate (Weichmacher) stehen im Verdacht:

  • hormonell zu wirken.

  • Testosteron zu unterdrücken.

  • Gewichtszunahme zu fördern.

  • Asthma, Krebs, Allergien, Funktionsstörungen im Gehirn auszulösen.

  • zu Frühgeburten zu führen: In einer Studie wiesen Schwangere mit der höchsten Phthalatkonzentration im Urin ein bis zu fünffach erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt auf.


Es gibt kein Garantie für die Unschädlichkeit von Plastik, da es immer noch keine Langzeitstudien gibt.Verbraucherschützer und Ärzte raten daher auf Plastikdosen oder -verpackungen zu verzichten.

 

Kleine Tipps, Große Veränderung

Um weniger Plastik im Alltag zu verursachen oder sogar ganz ganz darauf zu verzichten, ein paar Tipps die dazu beisteuern können:

Beim Einkauf kann anstatt einer Plastiktütte zu einem Stoffbeutel oder Korb gegriffen werden. Zudem eine eigene Tupperdose mitbringen um z.B. beim Schlachter oder an der Käsetheke seine Lebensmittel plastikfrei verpacken zulassen. Hinzu Früchte und Gemüse unverpackt kaufen und auf Konserven verzichten. Mehrweg-Produkte kaufen (Gläser statt Plastik). Auf Bioläden achten oder auf einen Wochenmarkt einkaufen, die auch wirklich unverpackte Produkte anbieten. Unverpackt-Geschäft (Adelheidstraße 28, 24103 Kiel)

Im Haushalt auf Küchengegenstände aus Holz zurückgreifen. Auf Dekorationen aus Plastik verzichten. Holzspielzeug statt aus Plastik. Handyschalen und Schmuck aus Holz. Zahnbürsten aus Bambus. Toilettenbrille aus Holz. Bei Geschenken auf Plastikschleifen verzichten.

 


 

Quellen:

Plastik - Fluch oder Segen

https://www.planet-schule.de/wissenspool/plastik-fluch-oder-segen/inhalt.html

(Zuletzt aufgerufen am 04.12.2017)

https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/chemie/achtung_plastik_broschuere.pdf

(Zuletzt aufgerufen am 04.12.2017)

http://www.futurenergia.org/ww/de/pub/futurenergia/energy_world_/benefits.htm

(Zuletzt aufgerufen am 04.12.2017)

https://utopia.de/0/umweltschutz/plastik

(Zuletzt aufgerufen am 04.12.2017)

http://www.planet-wissen.de/technik/werkstoffe/kunststoff/index.html

(Zuletzt aufgerufen am 04.12.2017)

http://nachhaltig-sein.info/lebensweise/wegwerfgesellschaft-muellberg-muell-abfall-aufkommen-menge-deutschland-pro-kopf-verwertungsquote-bundeslaender-infografik-statistik

(Zuletzt aufgerufen am 04.12.2017)

 

Plastikproduktion und Verbrauchszahlen

https://www.careelite.de/plastik-muell-fakten

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/plastik-menschen-haben-mehr-als-8-milliarden-tonnen-produziert-a-1158676.html

 

Plastik und unsere Gesundheit

http://nachhaltig-sein.info/lebensweise/plastik-kunststoff-folgen-mensch-tiere-umwelt-gesundheit (Freier Artikel)

http://www.sueddeutsche.de/wissen/gefahr-fuer-die-gesundheit-plastik-ist-eine-bedrohung-1.15065 (Aus einem Interview mit Werner Boote [Regisseur „Plastic Planet“]; veröffentlicht am 25.10.2010)

https://www.welt.de/gesundheit/article125155672/Die-unsichtbare-Gefahr-aus-dem-Plastikmuell.html (Verfasst von Sylvia von der Weiden; veröffentlicht am 24.04.2014)

http://nachhaltigkeit-und-umwelt.de/plastik-problematik-gefahren-und-vermeidung/ (Verfasst von Robert Zimmermann; veröffentlicht am 05.06.2014)

 

Alternativen

www.unverpackt-kiel.de

www.utopia.de

www.nachhaltig-sein.info

www.reset.org